Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt

Keine Macht den Drogen?

wirtschaftliche und soziale Folgen der Drogenpolitik

Reader zur Tagung am 9. bis 10. Dezember 2000 im Tschernyschewsky-Haus, Halle (Saale)

Keine Macht den DrogenIn Ostdeutschland scheint sich das “Drogenproblem” auf zwei Aspekte reduzieren zu lassen: jugendliche KonsumentInnen und schwarzafrikanische Dealer. Erstere sind vielleicht ein Fall für die Sozialpolitik, letztere aber allenfalls ein Zeugnis unzureichender – weil zu liberaler – Innen- und Einwanderungspolitik. Diese simple Sichtweise ist nicht nur verbreitet, sondern wird auch noch von rechten und konservativen PolitikerInnen ebenso wie von manchen Medien gestützt und bestätigt. Als Legitimation rassistischer Vorurteile dienen die meist schwarzafrikanischen Straßendealer, die einseitig als Urheber von Sucht und “Kriminalität” dargestellt werden.

Die Beiträge in diesem Reader ordnen sich nicht ein in die Diskurse der Ausgrenzung und sozialen Kontrolle. Sie untersuchen stattdessen das hochgradig politisch geprägte Bedingungsgefüge des Geschehens rund um illegalisierte Drogen und seine Auswirkungen und kommen u.a. zu dem Ergebnis, dass eine rationale “Drogenpolitik” auch die ideologischen Prämissen der Prohibition zur Disposition stellen müsste.

Trotz des gewaltigen Volumens der Drogenök0nomie weltweit ist die Thematik in der wirtschaftswissenschaftlichen und soziologischen Forschung erstaunlich wenig präsent. Und politische Konzepte, die auf eine Legalisierung und ‘weiche Regulierung’ des Marktes setzen, erscheinen weiterhin chancenlos.

Der Reader soll einen Beitrag leisten, rassistischen Zuschreibungen argumentativ entgegentreten und den Blick auf komplexe Zusammenhänge von Politik und Ökonomie weiten zu können, in deren Kontext die Frage nach einzelnen Gruppen von Akteuren überhaupt erst sinnvoll diskutiert werden kann.

Broschüre: 116 Seiten
Preis: Versandkosten
erhältlich bei:

Heinrich-Böll-Stiftung
Leipziger Straße 36
06108 Halle (Saale)
www.boell-sachsen-anhalt.de


Inhaltsverzeichnis:

Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt: Vorbemerkung (Seite 5)
Miteinander e.V.: Vorwort (Seite 7)
Ingo Ilja Michels: Thesen zu wirtschaftlichen und sozialen Folgen von Drogenpolitik – unter bes. Berücksichtigung des Verhältnisses von Migration und Drogen (Seite 9)
Thomas Kupfer: Schwarze Dealer in Ostdeutschland. Einige Thesen (Seite 13)
Joachim Eul: Grüne und andere Drogenpolitik in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft (Seite 17)
Sebastian Scheerer: Ein Bedarf von Null Gramm Cannabis. Planwirtschaft in der Drogenpolitik (Seite 25)
Ingo Pies: Ökonomische Analyse der Heroinprohibiton. Ein Plädoye für konsequenten Verbraucherschutz (Seite 31)
Roger Berger: Illegale Märkte für Heroin und Kokain, Modell und empirische Evidenz (Seite 45)
Bettina Paul: Drogenhändler – Einst und Heute. Über die Veränderte Betrachtung eines Berufs mit Tradition (Seite 55)
Kai-D. Bussmann: Freiheit – Gesellschaftliche Eintwicklung. Disziplinierung und Rausch (Seite 65)
Kai Ambos: Aspekte der Drogenkontrolle in Kolumbien, Peru und Bolivien (Seite 77)
Thomas Kupfer/ Judith Lans: Links zur Drogenproblematik (Seite 107)


Heinrich-Böll-Stiftung, Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt, Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen, Miteinander e.V. Weltoffenheit in Sachsen-Anhalt (Hrsg.):

Keine Macht den Drogen?
wirtschaftliche und soziale Folgen der Drogenpolitik.
Reader zur Tagung am 9.-10. Dezember 2000 im Tschernyschewsky-Haus, Halle (Saale)