Erinnern heißt Partei ergreifen

Gemeinsam mit Miteinander e.V. haben wir ein Bildungsmaterial zu den Todesopfern rechter Gewalt in Sachsen-Anhalt seit 1990 entwickelt. Ziel des gerade erschienenen Bildungsmaterials „Erinnern heißt Partei ergreifen“ ist es, vor allem jungen Menschen und weiteren Interessierten die Schicksale der Getöteten näher zu bringen, für die Perspektiven Hinterbliebener und Betroffener rechter Gewalt und damit auch für verschiedene Lebenslagen, Alltagswelten, Diskriminierungsformen und gesellschaftliche Machtverhältnisse zu sensibilisieren.

„…im Frühling hat man keine Lust zu sterben!“

Krystina, Johanna, Hildegard. Sechs Stunden blieben ihnen, um zu wählen, was noch zu sagen ist und wem. Sechs Stunden bis zum sicheren Tod, kühl und professionell organisiert in Nazideutschland. Im szenischen Arrangement von Sandra Bringer lässt Figurenspielerin Julia Raab einige der 43 Frauen, die während der Nazi-Diktatur im Halleschen „Roten Ochsen“ durch das Fallbeil starben, zu Wort kommen. Durch Mittel des Objekt- und Figurentheaters werden die schockierenden Dokumente der Unmenschlichkeit und die in diesem Zusammenhang entstandenen letzten Briefe der Frauen in einen ergreifenden Dialog gesetzt.

Wer wir sind – Die Erfahrung, ostdeutsch zu sein

30 Jahre nach der friedlichen Revolution steht die Frage wieder groß im Raum. Wer sind diese Ostdeutschen? Mit der Journalistin und Autorin Jana Hensel (u.a. „Zonenkinder“) und dem Publizisten Wolfgang Engler stellen sich zwei herausragende Stimmen des Ostens in einem Streitgespräch jenseits von Vorurteilen und Klischees der Frage nach der ostdeutschen Erfahrung.

Volker Weiß: 1968 – Feindbild und Geburtsstunde der Neuen Rechten?

1968 markiert nicht nur die Geburtsstunde einer linken Bewegung jenseits der Sozialdemokratie, sondern auch einen Erneuerungsprozess des rechten Spektrums, das heute unter den Begriff der Neuen Rechten gefasst wird.Diese greift in ihren Aktionen u. a. Formate der außerparlamentarischen Bewegung der 68er auf. Mit dem Historiker und Autor Volker Weiß diskutieren wir, ob die häufig genannte Parallele mit der APO tragfähig ist. Gleichzeitig erklärt er, warum in den letzten Jahren namhafte Protagonisten von ’68 den Weg nach scharf rechts eingeschlagen haben und wie die Neue Rechte wirksam zu stellen ist.

Im Osten nichts Neues?

Was hat die derzeitige globale Krise der Demokratie mit 1968 zu tun? Und wie sieht das mit Blick auf Ostdeutschland aus? Ist die Anziehung eines Viertels der Bevölkerung für autoritäre und rassistische Bewegungen wie Pegida oder die AfD eine Folge der fehlenden ’68 Revolution im Osten Deutschlands? Diese und weitere Fragen diskutieren der DDR-Oppositionelle und Historiker Bernd Gehrke, Thorsten Hahnel (Miteinander e.V.) und Prof. Dr. Petra Dobner (Lehrstuhl für Systemanalyse und Vergleichende Politikwissenschaft, MLU)

Niedergeschlagene Hoffnung – Der Blick nach Prag und in die DDR

Das Jahr 1968 war nicht nur in den USA und Westeuropa das Jahr großer Hoffnungen auf Revolution und Umbruch. Auch in der damaligen Tschechowslowakei gab es Liberalisierungs- und Demokratisierungsbestrebungen, die unter dem Begriff „Prager Frühling“ in die Geschichte des Jahres 1968 eingingen. In unserer Veranstaltung mit dem Prager Historiker Jan Šícha und dem Zeitzeugen und Bürgerrechtler Wolfram Tschiche, der 1968 selbst gegen den Einmarsch der Warschauer Pakt Truppen protestierte und später im Gefängnis ROTER OCHSE aus politischen Gründen inhaftiert wurde, spricht Doris Liebermann über diese aufregende Zeit, die Handlungspielräume der Einzelnen und über die Frage, ob 1989 die versäumte Revolution von 1968 nachgeholt wurde.

Hannes Heer: Mein 68

Hannes Heer, Jahrgang 1941, führt in die Geschichte der Revolte in zweifacher Weise ein – mit einem Vortrag und einem Film: „Mein 68. Ein verspäteter Brief an meinen Vater“ versucht eine im Leben gescheiterte und nur filmisch mögliche argumentative Auseinandersetzung des Autors mit seinem Vater. Dieser, früher NSDAP-Mitglied und nach dem Krieg CDU-Wähler, reagierte auf den politischen Aufbruch der damaligen Studentengeneration und seines eigenen Sohnes mit hasserfülltem Unverständnis und brach 1968 alle Brücken zu ihm ab.

Kein Schlusswort

Die Anwältin Antonia von der Behrens vertritt im NSU-Prozess den Sohn des ermordeten Mehmet Kubaşık und hat vor kurzem das Buch „Kein Schlusswort. Nazi-Terror, Sicherheitsbehörden, Unterstützernetzwerk. Plädoyers im NSU-Prozess“ herausgegeben. Die Plädoyers der Nebenklage entwerfen eine eindrucksvolle Gegenerzählung zum staatlichen Narrativ.

Politik und Psychodelic

Das Jahr 1968 war weltweit ein Aufbruch in vehementer Ablehnung der Verhältnisse, die sich schnell auch in den Ländern des Warschauer Pakts etablierte. Deren „Love, Peace & Happiness“ wurde schnell zur Provokation, auf die repressiv reagiert wurde. Aber die Saat der Subkultur konnte nicht komplett unterdrückt werden, zumal das System sich im Widerspruch bewegte, den antikapitalistischen Jugend-Bewegungen des Westens wie der Dritten Welt aufgeschlossen gegenüber wirken zu wollen.

Keine Ruhe nach dem Sturm

Lebendig und mitreißend erzählt Ulrike Heider 50 Jahre ihrer persönlichen Geschichte als spannungsreiche Zeitgeschichte. Den politischen und kulturellen Aufbruch der späten 1960er Jahre erlebte die Autorin als befreiend. In ihrem jüngst bei Bertz+Fischer veröffentlichten Buch beschreibt sie Höhepunkte, Kriminalisierung und Zerfallserscheinungen der antiautoritären Protestbewegung.