“…im Frühling hat man keine Lust zu sterben…”

Krystina, Johanna, Hildegard. Sechs Stunden blieben ihnen, um zu wählen, was noch zu sagen ist und wem. Sechs Stunden bis zum sicheren Tod, kühl und professionell organisiert in Nazideutschland. Im szenischen Arrangement von Sandra Bringer lässt Figurenspielerin Julia Raab einige der 43 Frauen, die während der Nazi-Diktatur im Halleschen „Roten Ochsen“ durch das Fallbeil starben, zu Wort kommen. Durch Mittel des Objekt- und Figurentheaters werden die schockierenden Dokumente der Unmenschlichkeit und die in diesem Zusammenhang entstandenen letzten Briefe der Frauen in einen ergreifenden Dialog gesetzt.

Es gibt Zeiten, in denen man welkt

Unter dem Titel „Mein Leben in Deutschland“ fordert 1939 ein Preisausschreiben Emigranten rundum den Globus dazu auf, über ihr Leben in Deutschland zu berichten. Unter den Einsendungen befand sich die Autobiografie Käthe Vordtriedes (1891-1964), der im gleichen Jahr nur knapp die Flucht vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten in die Schweiz gelang. In einer berührenden szenischen Lesung stellt Julia Raab Eindrücke ihres bewegten Lebens vor. Musikalisch begleitet wird die Lesung von der Bremer Band Die Grenzgänger, die mit ihren Interpretationen längst vergessene Volkslieder auf unnachahmliche Art und Weise hörbar und erlebbar machen. Im Anschluss an die Lesung geben Sie ein Konzert ihrer neuvertonten Lagerlieder.

DIE ROTE LINIE | Widerstand im Hambacher Forst

Der Dokumentarfilm „Die rote Linie“ zeigt mit dem Kampf um den Hambacher Forst eine lokale David-gegen-Goliath-Geschichte. Wir sehen wie aus vereinzelten Aktionen schließlich gemeinsamer Protest von Bürgerinitiativen, Familien, Kirchengruppen, Naturschutzinitiativen und Baumbesetzer*innen gegen die Rodung des Waldes und für den Ausstieg aus der Kohle wurde.

Wir bitten nicht länger um Erlaubnis

Auftakt zur Aktionstagung: Film und Filmgespräch zu Piratenradios in der BRD und DDR.
Am Bodensee ertönte „Radio Wellenbrecher“, in Offenburg „Radio Paranoia“, in Regensburg „Radio Freie Schnauze“, in Hamburg „Radio Hafenstraße“, in Köln „Radio Wahnsinn“ und in Göttingen „Radio Pflasterstein“. Auch in der BRD entstanden Ende der 70er Jahre illegale Piratensender, die selten länger als 30 Minuten pro Aktion und aus Protest gegen Umweltzerstörung, Atomkraftwerke oder Wohnraumnot via UKW agitieren. Sie wurden von Polizei und Bundespost verfolgt – wir sprechen mit früheren Aktivist*innen in der BRD und DDR.

Trans*BUT | Hassmorde an türkischen Trans*Frauen

Was heißt es als Trans*Person in der Türkei zu leben? Wie gehen Betroffene mit der täglichen Bedrohung und Gewalt um? Was bleibt an dem Ort, an dem ein Mord passierte? Dokumentarfilm zu Menschenrechten und Transgender in der Türkei.

Türkei – Eritrea – Äthiopien | Schriftstellerinnen im Exil

Sie sind politische Journalistinnen, Menschenrechtsaktivistinnen, Bloggerinnen und Schriftstellerinnen. In ihren Heimatländern drohen ihnen Verfolgung, Folter und lange Haftstrafen. Wir freuen uns, gemeinsam mit dem PEN-Zentrum Deutschland und der Stadtbibliothek Magdeburg, drei Frauen vorzustellen, die im deutschen Exil leben und arbeiten und als Stipendiatinenn des PEN-Zentrum im Rahmen des Programms “Writers in Exile” Schutz finden.

Comrade, where are you today?

In den 80ern zog Kirsi Marie Liimatainen in die DDR, um zu studieren. In ihrer finnischen Heimatstadt Tampere hatte sie Häuser besetzt, jetzt trifft sie auf Gleichgesinnte aus über achtzig Ländern. Sie sind Befreiungskämpfer oder linke Aktivist*innen – vereint in ihrer Hoffnung auf eine bessere Welt. Kurz nach Ende des Studienjahrs ist die DDR Vergangenheit. Beinahe 30 Jahre danach sucht Liimatainen ihre einstigen Kommilitonen. Im Anschluss: Filmgespräch mit der Regisseurin.

Niedergeschlagene Hoffnung – Der Blick nach Prag und in die DDR

Das Jahr 1968 war nicht nur in den USA und Westeuropa das Jahr großer Hoffnungen auf Revolution und Umbruch. Auch in der damaligen Tschechowslowakei gab es Liberalisierungs- und Demokratisierungsbestrebungen, die unter dem Begriff “Prager Frühling” in die Geschichte des Jahres 1968 eingingen. In unserer Veranstaltung mit dem Prager Historiker Jan Šícha und dem Zeitzeugen und Bürgerrechtler Wolfram Tschiche, der 1968 selbst gegen den Einmarsch der Warschauer Pakt Truppen protestierte und später im Gefängnis ROTER OCHSE aus politischen Gründen inhaftiert wurde, spricht Doris Liebermann über diese aufregende Zeit, die Handlungspielräume der Einzelnen und über die Frage, ob 1989 die versäumte Revolution von 1968 nachgeholt wurde.

Hannes Heer: Mein 68

Hannes Heer, Jahrgang 1941, führt in die Geschichte der Revolte in zweifacher Weise ein – mit einem Vortrag und einem Film: „Mein 68. Ein verspäteter Brief an meinen Vater“ versucht eine im Leben gescheiterte und nur filmisch mögliche argumentative Auseinandersetzung des Autors mit seinem Vater. Dieser, früher NSDAP-Mitglied und nach dem Krieg CDU-Wähler, reagierte auf den politischen Aufbruch der damaligen Studentengeneration und seines eigenen Sohnes mit hasserfülltem Unverständnis und brach 1968 alle Brücken zu ihm ab.

Politik und Psychodelic

Das Jahr 1968 war weltweit ein Aufbruch in vehementer Ablehnung der Verhältnisse, die sich schnell auch in den Ländern des Warschauer Pakts etablierte. Deren „Love, Peace & Happiness“ wurde schnell zur Provokation, auf die repressiv reagiert wurde. Aber die Saat der Subkultur konnte nicht komplett unterdrückt werden, zumal das System sich im Widerspruch bewegte, den antikapitalistischen Jugend-Bewegungen des Westens wie der Dritten Welt aufgeschlossen gegenüber wirken zu wollen.