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Die Politisierung der Intimität: Muslimische Geschlechts- und Sexualitätskonzepte und ihre (post-)kolonialen Transformationen

27. November | 18:30 - 20:30

Die Politisierung der Intimität:
Muslimische Geschlechts- und Sexualitätskonzepte und ihre (post-)kolonialen Transformationen

Die in den letzten Jahren zunehmende Verfolgung von Menschen auf Basis von Sexualität und Geschlecht in vielen muslimischen Gesellschaften sowie die wachsende Anzahl von lesbischen, schwulen, trans* und inter Geflüchteten nach Europa haben das Verhältnis von Islam und Muslimen zu sexueller und geschlechtlicher Selbstbestimmung verstärkt in die gesellschaftliche Wahrnehmung in Deutschland gerückt.

Wie lassen sich Homo- und Trans*phobie in muslimischen Gesellschaften heute verstehen? Welche Rolle spielen dabei islamische Rechtsvorstellungen? Der Vortrag von Danijel Cubelic (Institut für Religionswissenschaft, Universität Heidelberg) wird in einem ersten Teil einen Blick auf die Auseinandersetzung klassischer islamischer Gelehrsamkeit mit Fragen zu rechtmäßigem und unrechtmäßigem Sex werfen, Räume für Mehrdeutigkeit in islamischen Rechtskulturen besprechen und der Frage nachgehen, ob und wenn ja in welcher Weise nicht-konforme sexuelle Akte und Geschlechtsidentitäten und Formen des Geschlechtsausdrucks gesellschaftlich sanktioniert wurden. Daneben soll über Selbstzeugnisse wie Traumtagebücher, Poesie und Quellen zu Sexarbeit und Sklaverei, zu Eunuchen, Mukhannathun (sog. ‚Effeminierten’) und Ritualen der Verschwesterung in die Komplexität und Ökonomie von Geschlechterrollen und Sexualitätskonzepten in der islamischen Welt vor dem Kolonialismus eingeführt werden.

Noch im 19. Jahrhundert zog es europäische Reisende in den ‚Orient’, um der Repression und Prüderie des bürgerlichen Europa zu entfliehen. In einem zweiten Teil wird diskutiert werden, wie Fragen um Sexualität und Geschlecht im Zuge von Kolonisierung und Dekolonisierung ins Zentrum säkular-modernistischer, nationalistischer und islamischer Identitäts- und Biopolitiken rückten. Welche Auswirkungen hatten die Übernahme westlicher Diskurse der Hygiene, der Medizin, Naturwissenschaften und Wehrerziehung im 19. und 20. Jahrhundert auf muslimische Konzepte zu Geschlecht und Sexualität? Wie veränderte sich im Zuge des Kolonialismus das Verhältnis muslimischer Gelehrsamkeit zu diesen Fragen? Warum geht es bei der Verfolgung von LSBT*IQ-Personen in muslimischen Gesellschaften heute um weit mehr geht als ‚nur’ um Sexualmoral?

Eine Veranstaltung mit dem Orientalischen Institut im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Nahostdebatten”. Das Orientalische Institut vertritt keine politischen Positionen sondern organisiert Debatten. Die Nahostdebatten sind eine gemeinsame Veranstaltungsreihe des Instituts und der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt e.V.