das unmögliche verlangen

50 Jahre 1968 – Geschichte und Gegenwart
Veranstaltungsreihe

Pariser Mai und Prager Frühling, sexuelle Revolution und „versäumte Revolte“ (Stefan Wolle) – das Jahr 1968 wurde schon vielbeschrieben und doch gibt es noch unentdeckte oder kaum thematisierte Perspektiven. So sind nicht nur die weiblichen Akteure der „68er“ sondern auch die Geschehnisse in der DDR und im ganzen Ostblock kaum im öffentlichen Gedächtnis verankert.
In Kooperation mit Radio Corax und der Oper Halle wirft die Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt 50 Jahre nach den bewegenden Ereignissen in Ost und West in sieben Veranstaltungen im Frühsommer und Herbst einen Blick auf die blinden Flecken dieses – zu erwartenden – Jubiläums-Spektakels und fragt dabei auch nach Bezügen zur Gegenwart.

Keine Ruhe nach dem Sturm.
Buchvorstellung und Diskussion mit Ulrike Heider
3. Mai 2018, 19:00 Uhr, Operncafé

Lebendig und mitreißend erzählt Ulrike Heider 50 Jahre ihrer persönlichen Geschichte als spannungsreiche Zeitgeschichte. Den politischen und kulturellen Aufbruch der späten 1960er Jahre erlebte die Autorin als befreiend. In ihrem jüngst bei Bertz+Fischer veröffentlichten Buch beschreibt sie Höhepunkte, Kriminalisierung und Zerfallserscheinungen der antiautoritären Protestbewegung.
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‚Politik und Psychodelic‘ – Ostblock-Popkultur zwischen Nonkonformismus und “Normalisierung” 1968 – 1978
Multimedia-Vortrag von Alexander Pehlemann
23. Mai 2018, 19:00 Uhr, Operncafé

Das Jahr 1968 war weltweit ein Aufbruch in vehementer Ablehnung der Verhältnisse, die sich schnell auch in den Ländern des Warschauer Pakts etablierte. Deren „Love, Peace & Happiness“ wurde schnell zur Provokation, auf die repressiv reagiert wurde. Aber die Saat der Subkultur konnte nicht komplett unterdrückt werden, zumal das System sich im Widerspruch bewegte, den antikapitalistischen Jugend-Bewegungen des Westens wie der Dritten Welt aufgeschlossen gegenüber wirken zu wollen.
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Mein ’68. Ein verspäteter Brief an meinen Vater
Film, Vortrag und Gespräch mit Hannes Heer
5. Juni 2018, 18:00 Uhr, Zazie Kino und Bar

Hannes Heer, Jahrgang 1941, führt in die Geschichte der Revolte in zweifacher Weise ein – mit einem Vortrag und einem Film: „Mein 68. Ein verspäteter Brief an meinen Vater“ versucht eine im Leben gescheiterte und nur filmisch mögliche argumentative Auseinandersetzung des Autors mit seinem Vater. Dieser, früher NSDAP-Mitglied und nach dem Krieg CDU-Wähler, reagierte auf den politischen Aufbruch der damaligen Studentengeneration und seines eigenen Sohnes mit hasserfülltem Unverständnis und brach 1968 alle Brücken zu ihm ab.
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Niedergeschlagene Hoffnung – Der Blick nach Prag und in die DDR
Gespräch mit dem Historiker Jan Šícha und dem Zeitzeugen und Bürgerrechtler Wolfram Tschiche
21. August 2018, 19:00 Uhr, Gedenkstätte ROTER OCHSE Halle (Saale)

Das Jahr 1968 war nicht nur in den USA und Westeuropa das Jahr großer Hoffnungen auf Revolution und Umbruch. Auch in der damaligen Tschechowslowakei gab es Liberalisierungs- und Demokratisierungsbestrebungen, die unter dem Begriff „Prager Frühling“ in die Geschichte des Jahres 1968 eingingen. In unserer Veranstaltung mit dem Prager Historiker Jan Šícha und dem Zeitzeugen und Bürgerrechtler Wolfram Tschiche, der 1968 selbst gegen den Einmarsch der Warschauer Pakt Truppen protestierte und später im Gefängnis ROTER OCHSE aus politischen Gründen inhaftiert wurde, spricht Doris Liebermann über diese aufregende Zeit, die Handlungspielräume der Einzelnen und über die Frage, ob 1989 die versäumte Revolution von 1968 nachgeholt wurde.
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Im Osten nichts Neues?
Von ’68, dem Autoritarismus und den späten Folgen
27. November, 19:00 Uhr, Oper Halle

Was hat die derzeitige globale Krise der Demokratie mit 1968 zu tun? Und wie sieht das mit Blick auf Ostdeutschland aus? Ist die Anziehung eines Viertels der Bevölkerung für autoritäre und rassistische Bewegungen wie Pegida oder die AfD eine Folge der fehlenden ’68 Revolution im Osten Deutschlands? Diese und weitere Fragen diskutieren der DDR-Oppositionelle und Historiker Bernd Gehrke, Thorsten Hahnel (Miteinander e.V.) und Prof. Dr. Petra Dobner (Lehrstuhl für Systemanalyse und Vergleichende Politikwissenschaft, MLU)
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1968 – Feindbild und Geburtsstunde der Neuen Rechten?
Diskussion mit Volker Weiß
4. Dezember, 19:00 Uhr, Oper Halle

1968 markiert nicht nur die Geburtsstunde einer linken Bewegung jenseits der Sozialdemokratie, sondern auch einen Erneuerungsprozess des rechten Spektrums, das heute unter den Begriff der Neuen Rechten gefasst wird.Diese greift in ihren Aktionen u. a. Formate der außerparlamentarischen Bewegung der 68er auf. Mit dem Historiker und Autor Volker Weiß diskutieren wir, ob die häufig genannte Parallele mit der APO tragfähig ist. Gleichzeitig erklärt er, warum in den letzten Jahren namhafte Protagonisten von ’68 den Weg nach scharf rechts eingeschlagen haben und wie die Neue Rechte wirksam zu stellen ist.
Mehr Informationen zur Veranstaltung gibt es hier.


Grafikdesign: Franziska Stübgen

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