Everybody‘s Gypsy

Lesung zu Antiziganismus in der Popkultur

Ungewollt, gehasst und vertrieben – Sinti und Roma haben seit Jahrhunderten mit Vorurteilen, Stereotypen, Diskriminierungen und irrationalem Hass zu kämpfen. Antiziganismus, d.h. die Diskriminierung, Ausgrenzung und Verfolgung von Sinti und Roma und damit verbundene Stigmatisierungen und Vorurteile, ist ein weit verbreitetes Phänomen in Europa und auch in Deutschland. Seit über 600 Jahren leben ca. 70.000 Sinti und Roma in Deutschland und sind seit jeher mit dem Antiziganimus konfrontiert. Der Antiziganismus ist nicht nur historisch zu belegen, sondern hochaktuell, wie die Antiziganismus-Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes vom September dieses Jahres zeigte. Laut der Studie kann sich jede_r dritte Deutsche nicht vorstellen, Sinti oder Roma als Nachbarn zu haben und viele vertreten stets die Meinung, sie seien kriminell und nicht integrierbar. Sinti und Roma flüchten aus ihren Herkunftsländern aufgrund von Diskriminierungen und schlechten Lebensverhältnissen und erhoffen sich in westeuropäischen Ländern ein besseres Leben. Leider stoßen sie immer wieder auf die gleichen Probleme. In Frankreich wurden 2010 Sinti und Roma zwangsausgewiesen, in Duisburg gab es zahlreiche Auseinandersetzungen, die bundesweit Aufmerksamkeit erregten und in Halle kam es neben Demonstrationen in der Silberhöhe zu gewalttätigen Übergriffen.

Unwissenheit in der Bevölkerung führt zur Ablehnung/Diskriminierung und zu falschen Bildern und Vorstellungen, die auch in der Populärkultur transportiert und unreflektiert immer wieder übernommen werden. Ein Mangel an wissenschaftlichen Untersuchungen und dem politischen Willen der Wahrnehmung und Bekämpfung des Antiziganismus bestärkt zudem die Problematik, der noch heute zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Die Berliner Sinteza Dotschy Reinhardt – Sängerin, Songwriterin und Buchautorin, wird aus ihrem Buch „Everybody’s Gypsy. Popkultur zwischen Ausgrenzung und Respekt“ lesen. In ihrem sehr persönlichen Buch thematisiert sie die gängigen Klischees über Sinti und Roma, die heutzutage in Musik, Film und Mode – kurz, in der gesamten Popkultur – verankert sind und eröffnet so neue Blickwinkel auf ein uraltes und gleichzeitig aktuelles Phänomen. Sie beschreibt darüber hinaus, mit welchen Vorurteilen, Stereotypen und Diskriminierungen Sinti und Roma in Deutschland zu kämpfen haben.

Wir fragen im Anschluss an die Lesung, wie politische und mediale Mechanismen, die von „Armutszuwanderung“ und „Sozialschmarotzern“ sprechen, die gängigen Vorurteile fördern. Wie können Stereotype und mögliche Berührungsängste abgebaut werden? Welche Maßnahmen können ergriffen werden, um antiziganistischen Übergriffen auf lokaler Ebene zu begegnen?

Der Eintritt ist frei.

Auf der Veranstaltung wird es einen Buchstand von Jacoby & Müller geben.


Veranstaltungszeit und ort:

Donnerstag, 09. Oktober 2014
18:30 Uhr

Zazie kino und bar (Kleine Ulrichstraße 22)
Halle

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