Warum gesellschaftliche Verhältnisse krank machen

Gesundheitliche Ungleicheit und ihre Folgen

Muss, wer arm ist, früher sterben? In einem reichen Land wie Deutschland lässt sich ein Zusammenhang zwischen der sozialen Ungleichheit und der gesundheitlichen Lage feststellen. Menschen mit niedrigem Einkommen, Bildungsniveau und Berufsstatus sind nicht nur häufiger von Krankheiten und Beschwerden betroffen, sie haben außerdem eine weitaus geringere Lebenserwartung. So sterben Menschen mit einem geringen Einkommen* bis zu neun Jahre früher als BesserverdienerInnen. Die Unterschiede erscheinen ebenso in der gesunden Lebenszeit dramatisch. Männer der untersten Einkommensgruppe sind statistisch 14 Jahre im Laufe ihres Lebens länger von Krankheiten betroffen, als besser Verdienende. Bei Frauen sind es mehr als zehn Jahre. Die damit einhergehenden Einschränkungen im Alltag lassen nur schwer ein Entkommen aus der prekären Lage zu.  Bereits bei sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen, so wurde in Studien festgestellt, sind die Gesundheitsrisiken deutlich höher.

Diese Entwicklung wird verstärkt durch gesellschaftliche Prozesse wie unsichere Arbeitsverhältnisse (Flexibilisierung), soziale Isolation (Individualisierung), einem Leben ohne Partner(in), geringe Einkommen und dem Abbau sozialstaatlicher Maßnahmen. Vor diesem Hintergrund steigen auch psychische Erkrankungen weiter an.  
All das ist Ausdruck der zunehmenden gesundheitlichen Ungleichheit. Womit deutlich wird: der politische Handlungsdruck ist groß, denn die Lebenserwartung hängt von der sozialen Position und der Rolle im Geschlechterverhältnis ab.

Dr. Timo-Kolja Pförtner (Institut für medizinische Soziologie Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) widmet sich den zunehmenden gesundheitlichen Ungleichheiten in Deutschland und fragt nach den Ursachen. Welche Rolle spielt beispielsweise die fortschreitende Ökonomisierung der Gesundheitsversorgung? Wie wirken sich prekäre Arbeits- und Lebensverhältnisse aus? Nach dem Vortrag sprechen wir über Möglichkeiten den Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit und gesundheitlicher Lage aufzubrechen und über die Frage, wie ein gerechtes Gesundheitssystem aussehen kann.

Veranstaltungsort  und -zeit:

Donnerstag, 19. Juni 2014
19:00 Uhr

Melanchthonianum (Hörsaal Z, Universitätsplatz)
Halle (Saale)


*Was bedeutet niedriges Einkommen?

Die Verdienststrukturerhebung des Statistischen Bundesamtes geht von einem Niedriglohn aus, wenn der Verdienst eines Beschäftigten kleiner als zwei Drittel des mittleren Verdienstes ist (Median). Die Niedriglohngrenze, unterhalb derer alle Verdienste als Niedriglöhne gelten, lag im Jahr 2010 bei 10,36 Euro Bruttostundenverdienst beziehungsweise bei 1.907 Euro Bruttomonatsverdienst bei Vollzeitbeschäftigten.

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