Ausstellungseröffnung: Justiz im Nationalsozialismus

Über Verbrechen im Namen des Deutschen Volkes

Die Ausstellung “Justiz im Nationalsozialismus: Über Verbrechen im Namen des Deutschen Volkes” dokumentiert die Rolle der deutschen Justiz in den Jahren 1933 bis 1945. Sie nennt die Namen von Tätern und Opfern, sie präsentiert Biografien des aktiven Mitwirkens an staatlichen Verbrechen ebenso wie Schicksale von Frauen und Männern als Objekte staatlicher Gewalt. Der letzte Teil der Ausstellung zeigt exemplarisch den Umgang der Nachkriegsjustiz mit den Verbrechen deutscher Richter und Staatsanwälte.

Es spricht für sich, dass der Bundesgerichtshof erst 1995 – also ein halbes Jahrhundert später – die NS-Justiz als “Blutjustiz” charakterisierte und selbstkritisch offen bekannte, dass die Verbrechen deutscher Richter und Staatsanwälte im Nationalsozialismus nicht aufgearbeitet wurden.


Die Ausstellung wird in der Zeit vom 25. Juni bis 18. Juli 2014 im Institut für Anatomie und Zellbiologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Große Steinstraße 52) zu sehen sein. Der Ort für die Ausstellung ist nicht zufällig gewählt. Gemeinsam mit dem Institut erforscht die Gedenkstätte seit mehreren Jahren die Übernahme der Körper von Hingerichteten aus dem Zuchthaus Halle während der NS-Zeit.

Die polnische Widerstandskämpferin Krystyna Wituska ( 1920-1944), die am 26. Juni 1944 im „Roten Ochsen“ getötet wurde, ist eines dieser Opfer, deren Leichnam wahrscheinlich Studenten zu Lehrzwecken zur Verfügung stand und später anonym auf dem Gräberfeld des Instituts beerdigt wurde.

Zum Gedenken an Krystyna Wituska wird deshalb an ihrem 70. Todestag, dem 26. Juni 2014, ein Denkzeichen auf dem Ehrengrabfeld des Anatomischen Institutes der MLU, Gertraudenfriedhof Halle (Landrain 25, Abteilung 25 a) eingeweiht, das von dem halleschen Bildhauer Prof. Bernd Göbel gestaltet wurde. Es ehrt auch die mehr als 60 weiteren Hingerichteten, für die aus demselben Grund keine Gräber zu finden sind.

Einladung zur Gedenkveranstaltung: Einladung_Krystyna Wituska


Allgemeines zur Ausstellung

Mit dieser Wanderausstellung gelingt eine intensive Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Jstizgeschichte in Sachsen-Anhalt. Die Ausstellung führt den Besuchern vor Augen, zu welchen Exzessen die Justiz in einem totalitären System fähig sein kann. Die in Niedersachsen konzipierte Wanderausstellung wurde um eine Vielzahl regionaler und lokaler Aspekte erweitert. Entstanden ist eine Ausstellung, die den Blick auf die Region lenkt.

Die Justiz stellt sich damit ihrer Vergangenheit. Sie benennt Unrecht, gibt Opfern ein Gesicht und zeigt, wie einzelne Richter agierten. Gelungen ist dies, weil Juristen, Historiker und Vertreter von Vereinen und Verbänden auf Initiative der Veranstalter gemeinsam geforscht haben. So ist in den Jahren 2008 und 2009 eine breit gefächerte Ausstellung zusammen getragen worden, die jetzt – wiederum ergänzt – in Halberstadt gezeigt wird. Die Ausstellung stellt das Justizsystem zur Zeit des Nationalsozialismus dem Rechtsstaat in der Demokratie gegenüber. Sie klärt auf und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus.

Die Ausstellung „Justiz im Nationalsozialismus: Über Verbrechen im Namen des Deutschen Volkes. Sachsen-Anhalt“ wurde in den Jahren 2008 und 2009 von regionalen Arbeitsgruppen in Magdeburg, Halle (Saale), Dessau-Roßlau, Hansestadt Stendal und Naumburg (Saale) produziert und an allen Landgerichten sowie im Gebäude des Oberlandesgerichts Naumburg präsentiert. Die wissenschaftliche Leitung lag bei der Gedenkstätte ROTER OCHSE Halle (Saale). Das Projekt griff dabei zunächst auf eine Wanderausstellung der Gedenkstätte Wolfenbüttel – Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten – zurück und wurde von dort unterstützt.

Die Fortsetzung der Wanderausstellung und die Realisierung des Begleitprogramms sind ein Kooperationsprojekt der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt, der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt, der Landeszentrale für politische Bildung des Landes Sachsen-Anhalt, des Ministeriums für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt und der Friedrich-Ebert-Stiftung Sachsen-Anhalt.

Ausstellungseröffnung

Mittwoch, 25. Juni 2014
19:30 Uhr

Institut für Anatomie und Zellbiologie (Große Steinstr. 52)
Halle (Saale)

Öffnungszeiten der Ausstellung

Mo-Fr: 10:15-15:15 Uhr

Führungen innerhalb oder außerhalb dieser Zeiten bitte bei Michael Viebig (Gedenkstätte ROTER OCHSE) anmelden (Tel. 0345 2201331).

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