„…das gesunde Volksempfinden gröblichst verletzt.“

Verbotener Umgang mit Kriegsgefangenen vor dem Sondergericht Halle
(1940 bis 1945)

Während der Zeit des Zweiten Weltkrieges verhandelte das Sondergericht Halle gegen mehr als 500 Menschen wegen „verbotenen Umgangs mit Kriegsgefangenen.“ Diesen „Straftatbestand“ hatten die Nationalsozialisten unmittelbar nach Kriegsbeginn in eine Verordnung geschrieben, mit deren Hilfe Kontakte zwischen Einheimischen und ausländischen Kriegsgefangenen unterbunden werden sollten. „Schwere Fälle“, als die vor allem Freundschaften und Liebesbeziehungen galten, waren dabei besonders schnell und ohne die Möglichkeit der Berufung abzuurteilen. Die Gerichte straften oft schon wegen kleiner Gesten des Mitgefühls seitens deutscher Arbeitskollegen. Mehrheitlich traf die Verordnung jedoch Frauen und Mädchen, die an ihren Arbeitsstellen oder Heimatorten Beziehungen mit Ausländern eingegangen waren. Die Urteile der Sondergerichte sollten nicht nur eine Sühne des stattgefundenen „Verbrechens“ bewirken, sondern „gleichzeitig auch in hohem Maße abschreckend auf andere Frauen und Mädchen wirken.“

Der Vortrag von Michael Viebig (Gedenkstätte ROTER OCHSE Halle (Saale)  informiert über Hintergründe und Folgen der Verordnung und gibt einen Einblick in persönliche Schicksale dieser Zeit.

Eine gemeinsame Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt und der Gedenkstätte ROTER OCHSE Halle (Saale) im Rahmen des Begleitprogramms zur Ausstellung “Justiz im Nationalsozialismus“.

Veranstaltungsort und -zeit:

Donnerstag, 23. Mai 2013
19:30 Uhr

Amtsgericht Merseburg (Geusaer Str. 88)
Merseburg


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