Verfahren wegen ‚Verbotenen Umgangs mit Kriegsgefangenen‘

vor dem Landgericht Halberstadt.

Unmittelbar nach Kriegsbeginn 1939 gelangten erste Kriegsgefangene in das Deutsche Reich, deren Arbeitskraft umgehend und zwangsweise in den Dienst der deutschen Wirtschaft gestellt wurde. Dabei kam es ebenso zwangsläufig zu Kontakten mit deutschen Arbeiterinnen und Arbeitern. Das NS-Regime versuchte, diese Beziehungen auf ein Mindestmaß zu beschränken und drohte seit November 1939 mit Hilfe eines Paragrafen der sogenannten Wehrkraftschutzverordnung mit strengen Strafen, wenn bestimmte Grenzen überschritten wurden. So war es schon untersagt, mit Kriegsgefangenen während der Mahlzeiten am selben Tisch zu sitzen. Rigoros verfolgt wurden jedoch vor allem entstehende Freundschaften oder Liebesverhältnisse.

Mehr als 500 Strafverfahren wegen „Verbotenen Umgangs“ allein am Sondergericht Halle werfen ein bezeichnendes Bild auf die damaligen Lebensverhältnisse und die Straf- und Regulierungswut der NS-Behörden. In Halberstadt zeichnete das Landgericht verantwortlich für die Verfolgung solcher „Straftaten“. Der Vortrag von Michael Viebig von der Gedenkstätte ROTER OCHSE Halle (Saale) erläutert Entstehung und Auswirkung der Verordnung anhand von Verfahren der letzten drei Kriegsjahre in und um Halberstadt.

Eine gemeinsame Veranstaltung der Gedenkstätte ROTER OCHSE Halle (Saale) und der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt im Rahmen des Begleitprogramms zur Ausstellung „Justiz im Nationalsozialismus„.

Veranstaltungsort und -zeit:

Mittwoch, 01. Februar 2012
19.30 Uhr

Amtsgericht Halberstadt (Richard-Wagner-Str. 52)
Halberstadt




“…das gesunde Volksempfinden gröblichst verletzt”

Zwischen 1940 und 1945 wurden allein vor dem Sondergericht Halle mehr als 500 Personen wegen „Verbotenen Umgangs mit Kriegsgefangenen” angeklagt. Die Broschüre informiert über Hintergründe und Folgen der Verordnung und gibt einen Einblick in persönliche Schicksale aus dieser Zeit.
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