Rüstungsforschung im Nationalsozialismus

Der Nobelpreisträger Richard Kuhn und die Forschungen zu Massenvernichtungsmitteln am Kaiser-Wilhelm-Institut für medizinische Forschung


Mit Dr. Florian Schmaltz (Goethe-Universität Frankfurt am Main)

Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten erfolgte im Kontext der forcierten Aufrüstungspolitik auch eine Militarisierung von Wissenschaft und Forschung. Die vom NS-Regime für die Rüstungsforschung bereitgestellten Ressourcen eröffneten zahlreichen Wissenschaftlern neue Arbeitsmöglichkeiten.

Der Vortrag wird am Beispiel des Kaiser-Wilhelm-Instituts für medizinische Forschung die Forschung über chemische Massenvernichtungsmittel analysieren, die zur Entwicklung neuer Nervengase führte, über die bis Kriegsende nur Deutschlandverfügte.

Ferner wird auf die Schlüsselrolle des Institutsdirektors und Nobelpreisträgers Richard Kuhn als Wissenschaftsorganisator auf dem Gebiet der biochemischen Forschung im Nationalsozialismus eingegangen. Diskutiert werden dabei auch die ethische Problematik der Verwendung von menschlichen Hirnpräparaten und die Verantwortung von Kuhn als Fachspartenleiter für ein vom Reichsforschungsrat gefördertes Projekt, bei dem der Mediziner Otto Bickenbach im Konzentrationslager Natzweiler tödliche Menschenversuche mit dem Kampfstoff Phosgen durchführte.

Dr. Florian Schmaltz ist wiss. Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Wissenschaftsgeschichte am Historischen Seminar der Universität Frankfurt am Main.

Der Vortrag findet statt im Rahmen der Reihe „Wissenschaft und Hochschule im Nationalsozialismus„.

Veranstaltungsort und -zeit:

Mittwoch, 5. Mai 2010
18.00 Uhr

Uniplatz, Melanchtonianum (Hörsaal XXI)
Halle (Saale)

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