HipHop vs. Konsumgesellschaft?

Im Rahmen des Breathe in! – Break out!-Festivals diskutieren HipHopper, Kultur-, Sozial- und Medienwissenschaftler über die soziale und politische Dimension der HipHop-Kultur. Deren Wurzeln liegen bekanntlich in den Ghettos New Yorks der 70er Jahre. Dort entstand mit ihr eine kreative Bewegung, die junge Menschen weg von Gewalt, Gangs und Drogen führen und hin zu persönlicher Entfaltung und friedlichem Austausch mittels künstlerischer Ausdrucksformen bewegen wollte. Dieser aktivierende und zivilisierende Moment ist ihr heute teilweise abhanden gekommen. Aus aktivem Handeln wurde passiver Konsum. HipHop ist oft nur noch eine Projektionsfläche für Werbung.

Unsere Demokratie braucht aktive, reflektierende, partizipierende und interessierte BürgerInnen, die an der Gestaltung des Gemeinwesens mitwirken und zur Lösung kollektiver Probleme beitragen wollen.  „Reines“ Konsumieren führt nicht selten zu geistiger und kreativer Verarmung.  Alles dreht sich nur noch um die Stillung von meist materiellen Bedürfnissen.

Die HipHop-Kultur lebt von der Teilnahme und -habe des Einzelnen. Dies wird besonders beim Breakdance sichtbar. Bei Großveranstaltungen wie dem „Battle of the Year“ – einem der weltweit größten internationalen Breakdance-Battles, das jedes Jahr in Deutschland stattfindet – geht es nicht allein um die „Stars“, die miteinander battlen. Vielmehr taucht im Zuschauerbereich eine Vielzahl von Kreisen („Circles“) auf, in denen zuschauende Tänzer tanzen und vom Publikum angefeuert werden.

Die Diskussion verspricht vor allem durch die Teilnahme von zwei Zeitzeugen der HipHop-Kultur in der DDR – Waldemar Maicher (Breakdancer seit 1983) und Thomas Wilke (Graffiti-Künstler und DJ seit Ende der 80er) – sowie Martin Hübscher, Zeitzeuge der altbundesdeutschen HipHop-Kultur (DJ seit Mitte der 80er) besonders spannend zu werden. Hier treffen Vertreter der vermeintlich gleichen Jugendkultur aufeinander, die jedoch unter unterschiedlichen gesellschaftlichen Bedingungen existierte. Außerdem nehmen französischen und spanischen Jugendlichen an der Debatte teil.

Unter anderem werden folgende Vorträge zu hören sein:

  • Dennis P.B. Luh (Soziologe, Münster): Soziale und politische Ursprünge der HipHop-Kultur und ihr gegenwärtiges Verhältnis zur kommerziellen Mainstreamkultur.
  • Silvio Kison (Soziologe, Halle): Über Graffiti als Zeugnis einer Subkultur in Halle  und Ostdeutschland.
  • Prof. Dr. Johannes Stahl (Kunsthistoriker, Halle) Die kulturhistorischen Konstanten des Graffiti.
  • Dr. Thomas Wilke (Medienwissenschaftler, Halle) Der Stellenwert der Musik innerhalb der HipHop-Kultur.
  • Kommentiert werden die Vorträge von den Zeitzeugen Waldemar “BBoy Pan” Maicher & Martin “DJ Double D” Hübscher.
  • Moderation: Max Rademacher.

Veranstaltungsort und -zeit:

Samstag, 10. April 2010
12.00 bis 15.00 Uhr

Riff-Club (Große Ulrichstraße 51)
Halle (Saale)

Posted in Kultur.