3 Monate Ramallah: Weisheiten des schönen Golan (14. März)

Im Rahmen der politischen Begegnungsreise der Heinrich-Böll-Stiftung sind wir am Freitag auf die Golanhöhen gefahren. Jenes bergige Gebiet nordöstlich des See Genezareth, das völkerrechtlich zu Syrien gehört, das Israel aber seit über 40 Jahren besetzt hält. Verhandlungen zwischen Israel und Syrien unter der Formel „Rückgabe des Golan für Frieden“ sind mehrfach nur knapp an der Meinungsverschiedenheit über wenige Quadratkilometer am See Genezareth gescheitert, und nach neusten Medienberichten offenbar zuletzt am Gazakrieg.

Frühling in den GolanhöhenBlütenpracht in den GolanhöhenAber lassen wir die Politik, die hier in der Gegend oft so hässliche Seiten zeigt, mal außen vor: Der Golan ist um diese Jahreszeit einfach nur wunderwunderschön!!! Überall bunte Blumen, Wiesen, Berge, Wasserfälle, Bäume… Eine überwältigende Natur, die nur für wenige Monate nach der Regenzeit ihr traumhaftes Gesicht zeigt: In der Hitze und Dürre des Sommers verdorrt alles und die so tiefgrüne Landschaft wird braun.

Doch davon war heute nichts zu sehen! Ein Schauer von Frühlingsfarben ummantelte mich, ich wollte mich nur hinsetzen oder ins Gras werfen und stundenlang nur zuschauen.

Verlassene Siedlung im GolanDoch auch das konnte ich nicht ganz ohne Politik genießen: Zwischen den Blüten und Bäumen standen in romantischer Pose die Monumente kriegerischer Auseinandersetzung: Kunst oder Abschreckung?Ausgebrannte Panzer, morsche Bunker, und die Ruinen malerischer Dörfer. Um diese zu erklären sagte unser (israelischer) Tourguide auf der Hinfahrt, die Einwohner seien schon vor dem Krieg von der syrischen Armee brutal zwangsevakuiert worden. In meinem (bisherigen Erfahrungen nach recht zuverlässigen) Reiseführer steht dagegen geschrieben dagegen, dass die israelische Armee die Einwohner im Zuge des Krieges vertrieben hat.

Auf einem Gefechtsturm im Golan.Auf einer zum Museum ausgebauten ehemaligen Militärstellung stieg ich in einen verrosteten Gefechtsturm. Durch die Luke konnte ich auf Syrien schauen: Gott hin, Gott her, Soldaten sind Mörder.Einige kleine Städte am Fußende des Berges, mit Sportplätzen, Moscheen, Kirchen, Fabriken, von einer für mich unsichtbaren, aber unüberwindlichen Grenzen von mir getrennt. Über mir hatte jemand auf deutsch einen Spruch an das verrostete Metall geschrieben: „Gott hin, Gott her, Soldaten sind Mörder.“ Das fand ich in dem Moment sehr passend.

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Joachim Langner macht ein dreimonatiges Praktikum im Büro der Heinrich-Böll-Stiftung in Ramallah. Regelmäßig berichtet er in einem Blog über die Lage vor Ort und seine Arbeit.

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