3 Monate Ramallah: Mahmoud (21. März)

Mahmoud ist der Cousin meines Mitbewohners und unser guter Hausgeist. Er wohnt oft bei uns: Wenn er einen Gelegenheitsjob als Friseur oder Bauarbeiter in Ramallah findet, schläft auf der Couch im Wohnzimmer oder in Amins Bett, wenn der am Wochenende verreist ist. Mahmoud taucht immer wieder plötzlich auf, leistet uns manchmal wochenlang Gesellschaft – ist dann aber auch ebenso unverhofft wieder verschwunden.

MahmoudDas ist dann immer ein großer Verlust, denn Mahmoud ist nicht nur durch seine fröhliche und herzliche Art eine alltägliche Bereicherung unseres WG-Lebens. Als gelernter Koch mit besonderem Talent verwöhnt er uns mindestens einmal pro Woche mit unvergleichlich leckeren Speisen: Hummer, Fischfilets, Garnelen, geräucherter Reis, Hühnchen, Nudeln mit Gemüse und Ei, aber auch einfache arabisch Hausmannskost wie Tomaten und Ei, Ful oder Hommus. Zum Nachtisch serviert Mahmoud frischen Kaffee, Tee oder unglaubliche alkoholfreie Fruchtcocktails.
Gerade in dem Moment, in dem ich das Wort „Fruchtcocktails“ schreiben will, kommt Mahmoud in mein Zimmer und bringt mir einen solchen mit Minze und Zitrone! Ich bedanke mich herzlich, und Mahmoud sagt: „Sorry for disturbing you!“ Das ist typisch Mahmoud. Dank für seine täglichen Heldentaten prallt geradezu an ihm ab. Er ist so bescheiden, dass es manchmal fast frustriert!

Alle ein bis zwei Wochen kocht Mahmoud für die gesamte Nachbarschaft: Die umliegenden WGs, verschiedene Cousins, Freunde und Bekannte kommen vorbei, reden, lachen, tanzen und genießen das Festmahl, dass Mahmoud auftischt. Den ganzen Abend läuft er herum und unterhält die Leute, macht Witze, reicht Getränke, bereitet die Wasserpfeife mit frischen Früchten vor, zieht einen nach dem anderen auf die Tanzfläche und lässt sich bei all dem immer wieder fotografieren.

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Joachim Langner macht ein dreimonatiges Praktikum im Büro der Heinrich-Böll-Stiftung in Ramallah. Regelmäßig berichtet er in einem Blog über die Lage vor Ort und seine Arbeit.

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