3 Monate Ramallah: Jazz in D-dur und P-moll (26. März)

jazz1Eben war ich auf einem Jazzkonzert in al-Kamandjati. Das ist eine Musikschule, aber nicht irgendeine: Ramzi, der Gründer der Einrichtung, erzählt gern, wie er als Kind in einem der Flüchtlingslager aufwuchs und dort Steine auf israelische Panzerfahrzeuge warf. Er hat sogar ein Foto von diesem (für ihn höchst lebensgefährlichen) unterfangen in seinem Büro, auf der ein süßer kleiner Junge aus voller Inbrunst einen Stein schleudert.

Heute sagt er, habe er eine bessere Ausdrucksform gefunden: die Musik. Die Chance, die er hatte, als Kind von ganz unten mit französischen Stipendien am Konservatorium in Paris studieren zu können, die will er zurückgeben. Und so erteilt seine Musikschule in ganz Paläsitina Kindern kostenlosen Musikunterricht. Tausenden Kindern gibt er so Hoffnung, Präsidenten und Außenminister aus der ganzen Welt kommen und besuchen ihn. Er selbst spielt in Barenbäums Orchester, bereist die Welt für Auftritte und promoted seinen Weg des friedlichen musikalischen Widerstands.

Auf dem Dach der Musikschule war nun dieses Jazzkonzert, veranstaltet vom Goethe-Institut. Fantastische Musik aus Mitteleuropa, und mein erstes Open Air Konzert in diesem Jahr.

jazz2Ein Lied spielte die Band gemeinsam mit SchülerInnen Al-Kamandjatis. In der Mitte stand ein vielleicht 11-jähriger Junge mit seiner Geige. Um den Hals trug er fesch gewickelt ein Palästinensertuch, an den Bund seiner Geige hatte eine kleine palästinensische Fahne gesteckt, so eine, wie man sie auf Eisbechern findet. Für die Mädchen im Publikum war er der Star. Schüchtern lächelnd, aber seiner Wirkung sichtlich bewusst, spielte er seine drei bis vier Töne. Da verstand ich Ramzis Konzept vom musikalischen Widerstand.

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Joachim Langner macht ein dreimonatiges Praktikum im Büro der Heinrich-Böll-Stiftung in Ramallah. Regelmäßig berichtet er in einem Blog über die Lage vor Ort und seine Arbeit.

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