3 Monate Ramallah: Freiheit und die Hippies am Rande der Altstadt (26. März)

Am späten Abend nahmen mich Freunde aus Ramallah mit zu einer Party in Jerusalem. Irgendein Deutscher feierte dort seinen Abschied und alle seien eingeladen. Treffpunkt in Ramallah war der Manara-Platz, neben dem Polizeiauto. Dieses enttäuschte uns nicht und stand wie immer an der selben Seite des Kreisverkehrs.

Schnell noch einmal im Laden um die Ecke Shawarma und ein paar Bier der Marke Taybeh (“Drink Palestinian” – “The best in the Middle East” – “Botteld in Ramallah”) gekauft, dann auf die Klappbänke im Ladebereich des Kleintransporters und los. Mit einem Gefühl völliger Freiheit sausen wir durch die laue Frühlingsnacht, Palmen auf dem Mittelstreifen, das Bier klirrt beim überfahren der Geschwindigkeitshuckel, afrikanische Musik und Rock’n’Roll… An der Mauer gleiten wir vorbei, als wäre die hier nur zur Deko, Qalandia Checkpoint lassen wir links liegen. Wir fahren den Umweg über Hizmet, den vor allem Siedler benutzen, wo alles leichter ist. Wir feiern Leichtigkeit. Mein französischer Sitznachbar wirft seinen Döner aus dem Fenster, das wollte er schon immer einmal tun.

Kurz vor dem Checkpoint versteckt er seine Kifaya, das Palästinensertuch, unter seiner Jacke… wir wollen doch durchgewunken werden und nicht zu spät zur Party kommen. Ein bisschen Freiheit erkaufen wir uns auch durch wegducken und mitmachen.

Vorn die Party, ganz hinten in der Mitte das Damaskustor In Jerusalem ist die Party auf einem Parkplatz. Draußen unter dem Sternenhimmel, nur hundert Meter von der Stadtmauer der Altstadt entfernt, auf der unsichtbaren Linie, die Juden und Araber trennt. Ein Lagerfeuer brennt, Laptop und große Boxen sorgen für Musik, eine Cocktailbar und ein Sofa stehen auf der Wiese. Es wird deutsch und englisch gesprochen, ein bisschen auch Hebräisch. Ein Palästinenser aus Ostjerusalem ist da, sonst vor allem AusländerInnen und israelische Hippies und FriedensaktivistInnen. Selbst die können sich kaum vorstellen, dass in Ramallah normale Menschen leben, haben aber ein Bewusstsein für das Unrecht, das Israel anrichtet. Es ist sehr angenehm, diese Menschen zu treffen. Schade, dass es in Israel nicht viel mehr davon gibt!

Erst spät lichten sich die Reihen, und um halb fünf morgens sitzen fast nur noch die Leute aus Ramallah am Feuer. Ich bin müde und nehme den ersten Bus nach Hause. Am Checkpoint sehe ich schon die Leute Schlange stehen, die mit Einreisegenehmigung zur Arbeit nach Jerusalem wollen, allmorgendlich eingepfercht zwischen Gittern in der Dunkelheit. Ich komme nach Hause und nehme mir die Freiheit zu schlafen.

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Joachim Langner macht ein dreimonatiges Praktikum im Büro der Heinrich-Böll-Stiftung in Ramallah. Regelmäßig berichtet er in einem Blog über die Lage vor Ort und seine Arbeit.

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