3 Monate Ramallah: Begegnungsreise über tiefe Gräben (5. bis 14. März)

Eine der Aufgaben der Heinrich-Böll-Stiftung in Ramallah ist es, den Dialog zwischen Deutschland und den arabischen Ländern zu fördern. In diesem Kontext stand eine politische Begegnungsreise, die wir in den ersten zwei Märzwochen zusammen mit den Büros in Tel Aviv und Berlin betreuten.

So eine Reise in Israel und Palästina zu organisieren ist eine große Herausforderung, da der Konflikt zwischen beiden Staaten die die ganze Zeit präsent ist, denn hier ist alles irgendwie politisch – wenn es auch nur unterschwellig mitschwingt.

Gerade nach dem Gaza-Krieg kann dabei nicht von einem versöhnlichen Ton gesprochen werden. In Israel sind Angst und Sicherheitsbedürfnis völlig aus den Fugen geraten (so mein Eindruck), in Palästina dominiert die Wut über die Unverhältnismäßigkeit des Krieges und der Willkür der Besatzung, so dass eine Annäherung von tiefen Gefühlen verhindert wird. Eine Lösung scheint dabei ganz weit entfernt, wenn überhaupt möglich. Das deprimiert, und das hat auch unsere Reisegruppe deprimiert: Denn die sind in dem Glauben hergekommen Lösungswege zu finden und Menschen, die die Gegenseite verstehen und auf sie zugehen wollen. Das konnten wir ihnen hier kaum zeigen. Leider.

Dabei haben wir auf der Reise das Schreckliche zeigen wollen, und noch viel mehr Schreckliches gesehen und gehört, was sich ganz unterschiedlich in der Gruppe widerspiegelte: Am Ende stand sowohl die Kritik, dass die Reise zu pro-israelisch war, als auch dass sie zu pro-palästinensisch war.

In einem Abschlussstatement von Seiten der Stiftung hieß es, der Konflikt könne nicht gelöst, sondern nur geregelt werden, so dass am Ende alle Unzufrieden, aber am Leben sind.  Einfacher als das ist die Organisation einer politischen Bildungsreise dann aber allemal. Und die Chance, dass am Ende alle zufrieden sind, zum Glück auch.

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Joachim Langner macht ein dreimonatiges Praktikum im Büro der Heinrich-Böll-Stiftung in Ramallah. Regelmäßig berichtet er in einem Blog über die Lage vor Ort und seine Arbeit.

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