3 Monate Ramallah: Arabische Kulturhauptstadt 2009 (21.März)

Ähnlich wie es in jedem Jahr eine eruopäische Kulturhauptstadt gibt, kührt die UNESCO auch seit den 90ern jählich eine “arabische Kulturhauptstadt”. Nach Algier und Damaskus ist in diesem Jahr Jerusalem an der Reihe.

al_qudsSelbstverständlich Jerusalem, könnte man denken, jene Stadt mit dem Felsendom, die seit dem siebten Jahrhundert zentraler Ort arabischer Kultur ist. Warum denn erst jetzt? Und so säumen seit Monaten die geschmackvoll gestaltete Plakate zu “Capital of Arab Culture 2009” die Straßen Jerusalems und der angrenzenden arabischen Städte wie Bethlehem oder Ramallah, und werben für das damit einhergehende vielfältige Kulturprogramm.

Leider ist hierzulande alles unangenehm politisch. Und für Israel ist es hochpolitisch, wenn Jerusalem als arabische Stadt gefeiert wird: Laut israelischem Gesetz ist Jerusalem “unteilbare Hauptstadt Israels”, obwohl das palästinensische Ostjerusalem völkerrechtlich besetztes (palästinensisches) Gebiet ist. Die dort lebenden Palästinenser werden offiziell als Minderheit “geduldet”, haben keine Staatsbürgerschaft, sondern nur eine “Aufenthaltserlaubnis”, die sie bei langer Abwesenheit auch wieder verlieren. Für die Hauptveranstaltungen der “Arab Capital of Culture” hatte die Stadtverwaltung somit keine Genehmigungen erteilt, so dass diese nach Bethlehem und andere Städte verlegt wurden. Kleinere “Events” sollten trotzdem in Jerusalem stattfinden.

Aber ehrlich gesagt haben die Leute hier auch nicht immer Lust darauf, über Politik nachzudenken. Stattdessen haben wir uns auf Konzerte, Diskussionen, Kunstprojekte etc. im Rahmen der “Kulturhauptstadt 2009” gefreut.

Leider holt hier die Politik einen immer wieder ein: Am Dienstag wurden die Büros der Veranstalter von der Polizei gestürmt, Unterlagen und ein Computer beschlagnahmt. Einen Tag später wurde der Flug eines Segelflugzeugs, das die palästinensischen Farben trägt, verboten. Es wurde klar, dass viele Programmpunkte nicht stattfinden könnten. Wenigstens sollten aber am Damaskustor die Spiele für Kinder stattfinden, das könne ja kein Problem sein, gerade im Herzen des arabischen Ostjerusalems.

Es kam doch anders: Heute früh erreichte mich über den E-Mail-Verteiler der in Ramallah lebenden Ausländer ein Hilferuf: Kinder und Presseteams seien am Damaskustor, die VeranstalterInnen der “Kulturhauptstadt 2009” seien aber alle im Vornherein festgenommen worden. Nun seien ehrenamtliche HelferInnen nötig, damit überhaupt etwas stattfinden könne.

Aus der Zeitung konnte ich entnehmen, dass die Polizei gleich “jegliche palästinensische Aktivitäten” verboten hatte. In einer zur Hälfte palästinensischen Stadt…

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Joachim Langner macht ein dreimonatiges Praktikum im Büro der Heinrich-Böll-Stiftung in Ramallah. Regelmäßig berichtet er in einem Blog über die Lage vor Ort und seine Arbeit.

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