3 Monate Ramallah: Eine Traumreise im Kino (18. Februar)

Am Mittwoch war ich im Kino. Es lief “Das Salz des Meeres”, eine französich-palästinensische Koproduktion. Der Film erzählt die Geschichte einer Amerikanerin, deren Großeltern in Jafa lebten und die 1948 von Israel vertrieben wurden. Sie selbst ist in Brooklyn geboren und aufgewachsen und kommt nun erstmals in das Land ihrer Vorfahren, wo sie nach langen Schikanen bei der Einreise direkt nach Ramallah fährt.

Der Film kommt somit genau da an, wo ich sitze und ihn mir ansehe: Junge, arbeitslose Männer lungern am Manara-Platz auf den Steinlöwen, ein stadtbekannter Polizist tanzt, während er den Verkehr regelt, Autos hupen und Menschen gehen ins Kino… ins al-Kasaba. Das Kino in dem ich gerade sitze und in dem die Menschen um mich mit Begeisterung applaudieren und pfeifen: Ihr Leben ist da auf der Leinwand.

Der Film zeigt aber auch die Enttäuschungen und Tiefen des Lebens in der West Bank: Demütigungen durch das israelische Militär, fehlende Perspektive, fehlende Bewegungsfreiheit. Das trifft ins Herz, das haben hier alle erlebt.
Und von dort nahm der Film uns mit auf eine Traumreise: Es begann mit kleinem Mut gegen die Besatzer, doch bald nahmen die Charaktere (die Amerikanerin und ihre palästinensischen Freunde) ihr Schicksal selbst in die Hand, überfielen eine Bank, tricksten sich durch die Checkpoints nach Israel, gingen zum ersten Mal im Meer baden, forderten die enteigneten Häuser ihrer Großeltern zurück.

Ein Happy End konnte es nicht geben: Spätestens als die Leinwand weiß wurde, war der Traum vorbei, und wir waren alle wieder in Ramallah. Die vielen Ausländer, die wie die Amerikanerin im Film immer hierher kommen wollten und gar nicht mehr weg wollen, und die vielen Palästinenser, die täglich mit Einengung und Erniedrigung leben müssen und besser heute als morgen gehen würden, wenn sie denn könnten. Beim Aufstehen hatte ich das Gefühl, viele hier im Saal träumen den selben Traum… schon lange.

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Joachim Langner macht ein dreimonatiges Praktikum im Büro der Heinrich-Böll-Stiftung in Ramallah. Regelmäßig berichtet er in einem Blog über die Lage vor Ort und seine Arbeit.

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