3 Monate Ramallah: Herzlichkeit in der Saftbar (02. Februar)

Auf dem Weg nach Hause habe ich mir heute noch einen frischgepressten Saft gegönnt. Ich saß also in dem „Saftladen“ und schlürfte genüsslich meinen „Cocktail“, ein Mix aus verschiedenen Säften, Obst und Nüssen mit einer Kugel Eis geschreddert. Sechs paar Augen schauen mir gebannt zu. Der junge Mann im Anzug und teurem Mantel neben mir traut sich schließlich mich anzusprechen – und bald platzt auch die Neugier der anderen aus ihnen raus, und ich erhielt meine Chance zurückzufragen: Sie alle kamen aus Nablus, wo es die besten Süßigkeiten der Welt gäbe. Vier von ihnen arbeiteten in der Saftbar: einer war der Verantwortliche für gepresste Säfte, einer der Verantwortliche für gemixte Säfte (Arabisch: „mas’ul al-cocktails“) usw. Nur der im Anzug arbeitet bei der örtlichen Mobilfunkfirma (und konnte mir wertvolle Tipps zu meinem Handyvertrag geben).

Als ich irgendwann erwähnte, dass ich noch nach einer richtigen Unterkunft suche, haben sie mir ohne das geringste Zögern angeboten, dass ich bei ihnen einziehen könne: Drei von ihnen wohnte in einer kleinen Zweizimmerwohnung gleich neben dem Kino. Da könne Madschdi sein Zimmer doch mit mir Teilen, oder die drei würden in in eines zusammenziehen… Das war mit Sicherheit ernst gemeint, und ich war unheimlich gerührt von der Offenherzigkeit!

Nachtrag: Am nächsten Tag habe ich ein Zimmer für mich gefunden. In der Saftbar muss ich aber unbedingt bald wieder Hallo sagen!


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Joachim Langner macht ein dreimonatiges Praktikum im Büro der Heinrich-Böll-Stiftung in Ramallah. Regelmäßig berichtet er in einem Blog über die Lage vor Ort und seine Arbeit.

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