3 Monate Ramallah: Mein leben auf der Couch (31. Januar)

unterkunftDank das Internets hatte ich schon vor meiner Abreise von Deutschland aus eine WG in Ramallah gefunden. Als ich dort ankam stellte sie sich jedoch nicht das heraus, was ich erwartete: Mein Zimmer war doch noch nicht frei – und niemand hatte Zeit mir das zu erklären. „Wir haben hier gerade viel zu Arbeit zu erledigen, aber wir finden schon eine Lösung“ erklärte mir Claudia, während sie sich schon wieder ihrem Computer zudrehte. Dann doch etwas auf mein Wohlbefinden bedacht fügte sie hinzu: „Willst Du ein Bier? Setz Dich, wir haben hier auch W-LAN.“ Gut, damit war ich erstmal beschäftigt und ruhig. Nach einiger Zeit bot mir Patrizia, die zweite Mitbewohnerin, etwas Essen und Wein an. So verbrachte ich meinen ersten Abend in Ramallah also mit Wein und Internet. Irgendwann spät wurde mir die Couch im Wohnzimmer als provisorisches Bett hergerichtet.

couchAuf dieser Couch schlafe ich seit dem. Mal besser mal schlechter, aber inzwischen habe ich mich daran gewöhnt und mich im hinteren Wohnzimmerende häuslich eingerichtet. Mein Zimmer sollte erst nach ein paar Tagen, dann nach zwei Wochen und schließlich erst nach einem Monat frei werden. Während Claudia in den ersten Tagen immer beteuerte: „Mach Dir keine Sorgen, wir finden schon eine Lösung mit der Du hier bleiben kannst!“, heißt es jetzt nur noch: „Kein Problem, du kannst hier bleiben bis du was neues gefunden hast.“

Also suche ich eine neue WG und bis dahin lebe ich frei nach „my couch is my castle“! Inzwischen habe ich hier im Wohnzimmer auch etwas Privatsphäre gewonnen, denn die gesellschaftlichen Aktivitäten verlagern sich zunehmend von hier in die Küche, was ich als ein gestiegenes Bewusstsein für Existenz und Gefühle des Couchgastes deute. Gestern haben wir sogar zusammen gekocht, Musik gehört und viel erzählt. Und in die Kneipen ziehen wir auch alle paar Tage mal zusammen – ich werde fast ein bisschen wehmütig bei der Vorstellung hier wieder auszuziehen…

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Joachim Langner macht ein dreimonatiges Praktikum im Büro der Heinrich-Böll-Stiftung in Ramallah. Regelmäßig berichtet er in einem Blog über die Lage vor Ort und seine Arbeit.

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