3 Monate Ramallah: Jerusalem (30. Januar)

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Schmale Gassen...

Wochenende: Mein erstes Wochenende geht von Freitag bis Samstag. Ich nutze die Zeit einmal die Sonne zu genießen und mich erstmal umzuschauen, wo ich hier eigentlich bin. Also auf nach Jerusalem!

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... in Jerusalems Altstadt.

Innerhalb kürzester Zeit hatte mich die Stadt in ihrem Bann! Von einer durchlaufenden riesigen Stadtmauer umschlossen winden sich die Gassen der Altstadt auf und ab und kreuz und quer wie ein märchenhaftes Labyrinth. Tunnel, Brücken, Treppen, Durchgänge, ein ständiges Auf und Ab über die Hügel. Ein bisschen Fußball spielen mit einem Kind, ein Falafel in der heißen Sonne essen, einen Kaffee mit einer Bekannten, die ich zufällig treffe, ein bisschen herumschlendern, die uralten Sehenswürdigkeiten fürs erste links liegen lassend… Die Altstadt ist nicht groß, aber alles andere als überschaubar. So bin ich lange herumgelaufen um das Leben zu genießen und um einen Punkt zu finden, von dem man einen gewissen Überblick hat.

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Klagemauer am Sabbat

Irgendwann hat es mich zur Klagemauer verschlagen, in deren Nähe ich dann den ganzen Nachmittag verbrachte, bis kurz nach Einbruch des Sabbat. Ich war einfach da, schaute den Leuten beim Beten zu, hörte den Reiseführern der ankommenden Gruppen (überwiegend jüdische Jugendliche aus den USA) zu und freute mich an gelebter jüdischer Kultur, wie ich sie in Deutschland leider fast nur vom ‘Hörensagen’ und aus alten Büchern kenne. Es war erhebend dort zu sein, und schön.

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Der Felsendom

Ein bisschen Ernüchterung kam am Abend als ich meinen Mitbewohnerinnen davon erzählte. Ein Freund von ihnen war mit da, Palästinenser hier aus der Gegend. Er fand es interessant was ich erzählte, guckte aber unheimlich traurig. Dann erzählte er, dass er erst ein einziges Mal in Jerusalem war, als Kind. Denn seit der zweiten Intifada dürfen Palästinenser in der Regel nicht mehr nach Israel einreisen. Er sitzt also in Ramallah, 15 Minuten mit dem Bus von der Jerusalemer Altstadt entfernt, und kann selbst nicht hin…

Jerusalem, ja dieses ganze Land hier könnte einer der kreativsten und wunderbarsten Orte der Welt sein, wenn da nicht diese widerlichen Konflikte wären, die die Menschen trennen.

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Joachim Langner macht ein dreimonatiges Praktikum im Büro der Heinrich-Böll-Stiftung in Ramallah. Regelmäßig berichtet er in einem Blog über die Lage vor Ort und seine Arbeit.

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