Vaterlandslose Gesellen oder Revolutionäre?

Das Verhältnis von Ausreisebewegung und Oppositionsgruppen in der DDR der 1980er Jahre

Als im August 1989 in Ungarn für mehrere Stunden der “eiserne Vorhang” geöffnet wurde, nutzten viele Tausend DDR-BürgerInnen dies zur Flucht. Seit der Errichtung der Mauer in Berlin 1961 war das die größte Fluchtwelle aus der DDR –   es meldeten sich täglich bis zu 3.000 Deutsche aus der DDR bei den Behörden in der Bundesrepublik und baten um Aufnahme. Die Flüchtlinge beeinflussten damit den Revolutionsprozess in der DDR vom Herbst 1989 erheblich: Die Veränderung der DDR, gar die Suche nach einem “dritten Weg” zwischen den Blöcken, erübrigte sich zunehmend.

Vorausgegangen war eine Ausreisebewegung mit über 100.000 DDR-BürgerInnen, die einen Antrag auf Ausreise aus der DDR gestellt hatten. Viele von ihnen bildeten unter dem Dach zahlreicher Kirchen Gruppen zur gemeinsamen Verteidigung ihrer Rechte und gegenseitigen Solidarität. Sie trafen auf viele Menschen, die ebenfalls unzufrieden waren mit den Lebensverhältnissen in der DDR. Diese wandten sich vor allem gegen Umweltzerstörungen, Aufrüstung im Osten und Westen sowie für Demokratie und Menschenrechte und versuchten die DDR zu reformieren. Das Verhältnis beider Gruppen zueinander verlief nicht spannungsfrei. Letztendlich haben beide zum Ende der SED-Diktatur beigetragen.

Im Verlauf der Tagung sollen die Forderungen der Ausreiseantragsteller, ihre politische Stoßrichtung sowie die Verfolgungsmaßnahmen der Staatssicherheit ihnen gegenüber herausgearbeitet werden. Parallel hierzu wird die Rolle der oppositionellen Gruppen in den 1980er Jahren und ihre Rolle im Umbruchprozess 1989/90 analysiert werden.

Das genaue Programm und die Anmeldeformalitäten zur Tagung, die unter der Registriernummer WT 2/08-060-23 LISA als Lehrerfortbildungsveranstaltung anerkannt ist, entnehmen Sie bitte dem Flyer (pdf-Datei, 860 kb). Achtung: Da die Tagung durch eine ausreichend große Zahl an Anmeldungen auf jeden Fall stattfinden wird nehmen wir auch über den 31. Oktober hinaus weitere Anmeldungen entgegen!

Eine Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt in Kooperation mit der Gedenkstätte Moritzplatz Magdeburg und der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn in der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt, der HVHS Roncalli-Haus Magdeburg und der BStU-Außenstelle Magdeburg.

Veranstaltungsort und -zeit:

21. und 22. November 2008
15.00 bis 21.00 Uhr und 09.00 bis 16.30 Uhr

Roncalli-Haus (Max-Josef-Metzger-Straße 12/13)
39104 Magdeburg

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